Doppelschau und Dialoge

 
 

Vorankündigung Kunst in Kürnberg

Am Samstag, dem 9.10.2021 beginnt im Schopfheimer Ortsteil Kürnberg eine kleine Kunstausstellung im Haus 102. Die Malerin Ulrike Villinger öffnet ihr privates Atelier und präsentiert groß- und kleinformatige abstrakte Bilder. Dazu gesellen sich keramische Rauchbrand-Objekte aus der Werkstatt von Frauke Roloff. Beide Kürnbergerinnen zeigen an fünf Wochenenden sowie nach Vereinbarung gemeinsam Exponate aus ihrem Schaffen und freuen sich über regen Besuch und lebendigen Austausch. Wegen Corona findet keine Vernissage statt.

9./10. Oktober, 16./17. Oktober, 23./24. Oktober, 30./31. Oktober und 6./7. November
immer samstags & sonntags 10-17 Uhr und nach Vereinbarung 07622 5746 / 61802
im privaten Atelier des Hauses 102, Kürnberg, 79650 Schopfheim

 

11.10.2021   Badische Zeitung
Gehörte Linien und zufällige Farbnuancen
Ulrike Villinger und Frauke Roloff stellen in Kürnberg Bilder und Keramik-Objekte aus.

Von Paul Eischet

Am Wochenende wurde in Kürnberg eine Ausstellung mit Bildern von Ulrike Villinger und keramischen Rauchbrand-Objekten aus der Werkstatt von Frauke Roloff eröffnet. Wegen der Pandemie wurde auf eine Vernissage verzichtet.

Die 1958 in Rheinfelden geborene Ulrike Villinger studierte Kunsterziehung in Berlin. Sie arbeitete als Kunstlehrerin, zog 2011 nach Kürnberg und unterrichtet an der Waldorfschule in Schopfheim. Dort leitet sie den Eltern-Lehrer-Chor und seit 2020 den Nollinger Chor "Tonart".

Villinger ist fasziniert von Strukturen, die sich aus Linien sowohl in der Malerei als auch in der Musik ergeben. Das Empfinden für Linienverläufe prägt den vornehmlich zeichnerischen Malstil der Künstlerin. "Wenn ich eine Linie zeichne, dann höre ich sie auch", beschreibt sie ihren Schaffensprozess. Ihre Bilder sind vornehmlich abstrakt. Teils frei Gestaltetes, teils farblich flächige und erkennbar figurale Elemente offenbaren eine mehrschichtige künstlerische Sichtweise. Und immer wieder Linien – gerade, geschwungen, verwirbelt, dann wieder vielzeilig mit einem Kamm auf die Leinwand gebracht. Dem Blick des Betrachters wird kaum vordergründig Fassbares geboten. Deutungen entstehen allein durch eigene Assoziationen. Die Malerin bietet keine Hilfestellung – keines ihrer Bilder ist betitelt.

Frauke Roloff wurde in Bremen geboren. Fünf Jahre ihrer Kindheit verbrachte sie in Bolivien. Nach dem Abitur ging sie nach Norwegen, um dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. Es folgte ein Biologie-Studium in Salzburg. Danach unterrichtete sie als Oberstufenlehrerin an der Waldorfschule in Mannheim die Fächer Biologie und Chemie. Seit 1994 lebt sie in Kürnberg.

Schon lange ist Roloff fasziniert von prä- und frühhistorischer Keramik. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie fand sie die Zeit, sich dieser speziellen Töpferkunst zuzuwenden. Bei der Herstellung ihrer Kunstwerke kommen Aufbau-, Quetsch- oder Presstechniken zur Anwendung. Mit bloßen Händen und ohne eine rotierende Töpferscheibe formt sie Krüge, Vasen, Schalen, Skulpturen, Rundlinge, Handschmeichler und Rasselkugeln. Jedes Objekt geht einen langen Weg durch Feuer, Rauch und Asche. Nach Trocknung und einem mehr als 24 Stunden währenden Schrühbrand geht es in den Rauchbrand. Hier entstehen faszinierende Färbungen und Maserungen durch die in das Material dringenden Dämpfe verschiedener verbrannter Materialien wie Sägespäne, Laub, Nussschalen, Moos, Bananen- und Apfelsinenschalen oder getrocknete Kirschkerne. Besondere Farbnuancen entstehen durch Hinzufügen von Kupferkarbonat oder Eisenoxid. Das Ergebnis ist nie vorhersehbar. Genau dieser Zufall ist der Künstlerin wichtig. "Nicht ich bin es, der das Aussehen bestimmt. Ich erschaffe Bedingungen, damit etwas erscheinen kann." Die bewusst asymmetrisch gestalteten Keramikobjekte vermitteln einen archaischen und kunstvollen Eindruck.

Die Ausstellung im Haus 102 in Kürnberg mit 26 groß- und kleinformatigen Bildern und zahlreichen Keramik-Objekten und ist bis 7. November jeweils an den Wochenenden von 10 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Telefonische Anmeldungen sind unter 07622/61802 oder 5746 möglich.

https://www.badische-zeitung.de/gehoerte-linien-und-zufaellige-farbnuancen--205489214.html

 

16.10.2021 Markgräfler Tagblatt
Dialog zwischen Bildern und Objekten
Unter dem Titel „Kunst in Kürnberg“ geben eine Malerin und eine Keramikerin aus dem Ort Einblicke in ihr Schaffen.

Von Jürgen Scharf

Für beide Künstlerinnen sind Ausstellungen „absolutes Neuland“. Die Chorleiterin und Kunsterzieherin Ulrike Villinger und die Keramikerin Frauke Roloff haben sich beim Singen in einer kleinen Gruppe kennen gelernt. Irgendwann kamen sie auf die Idee, eine Doppelschau in Villingers privatem Atelier in Kürnberg zu arrangieren.

Die abstrakten Bilder der Malerin treten in einen Dialog mit den keramischen Objekten ihrer Mitausstellerin. Beide verbindet nicht nur die Liebe zur Musik, sondern zur Struktur.

Roloff zeigt Arbeiten aus dem vergangenen Jahr, die sie für die Schau aus ihrer Werkstatt in das hoch gelegene Atelier von Villinger am Ende des Ortsteils transportiert hat. Ihre Werkstatt und den Brennofen hat sie in der Scheune eines altes Bauernhauses, während Villinger zu Hause arbeitet.

„Ich hatte nicht den Corona-Virus, sondern den Rauchbrand-Virus“, sagt Roloff lächelnd zu ihrer intensiven Arbeitsphase mit hoch schamottiertem Raku-Ton. Spezialisiert hat sie sich auf Schrüh- und Tonnenbrand. In den Rauchbrandgefäßen brennen sich Strukturen ein, was man haptisch spüren kann.

Die Keramikkünstlerin arbeitet nicht an der Töpferscheibe, sondern modelliert frei, baut ihre Vasen, Schalen, Krüge, Kugeln und Figurationen in vielfältigen Formen auf und erreicht den ganz besonderen Glanz nicht durch Glasur, sondern Politur.

Eigentlich ist Frauke Roloff Biologin und als Keramikerin Autodidaktin, aber sie scheint beseelt vom Rauchbrand und fasziniert von neolithischen Formen und offenporiger Keramik. Bei der Behandlung des Tons geht es ihr um ursprüngliche Oberfläche und archaische Strukturen. Die kleinen Figurinen sind dynamisch geformte Bewegungsstudien, haben etwas Engelhaftes oder erinnern an Knospen. Bei anderen Arbeiten schafft eine Milchglasglasur den raffinierten Braunton. Formal auffallend an Roloffs Gefäßformen ist die Asymmetrie, dadurch wirken die Objekte beweglich. Spannend ist dabei, wie diese schiefen Linien harmonieren.

Von der Idee und den Farben her gehen einige Arbeiten geradezu über in Villingers Bildwelten. Die Exponate passen vom Motivischen, der Farbigkeit und den Linienstrukturen gut zusammen und sind auch vom Arbeitsprinzip ähnlich. Auch die Malerin weiß nicht, wenn sie ein Bild beginnt, was entstehen wird. Ulrike Villinger geht spontan und intuitiv daran, stets inspiriert durch die von der Natur vorgegebenen Strukturen.

Bei ihren Bildern ergeben sich Assoziationen von Landschaftlichem. Sie sind abstrakt, aber mit einer gegenständlichen, naturhaften Anmutung. Vielleicht weil die Künstlerin in der Natur wohnt, nimmt sie Natur, vor allem Holz, als etwas Besonderes wahr. Auch Musik spielt in die Bilder mit hinein. Wie eine Melodienlinie hat die zeichnerische Linie auch eine bestimmte Gestalt. Die Kunstlehrerin an der hiesigen Waldorfschule fotografiert viel, macht filigrane Zeichnungen, ist vielfältig kreativ und hat einige Werkphasen in den letzten 15 Jahren durchlebt.

Neben neuen Winterbildern in grauweißen Tönen und Schraffuren in Bleistift, Öl oder Tusche fallen Mosaike und Mobile aus Fundstücken und Naturmaterialien ins Auge, Bildcollagen mit Spielkarten, Schablonenarbeiten, landkartenähnliche oder reliefartige Motive sowie Bildobjekte aus geschnittener Pappe: ein Spiel mit Materialien und Substanzen.

Die beiden Künstlerinnen könnten sich eine Fortsetzung ihrer Atelierschau denken, eventuell mit anderen Künstlern zusammen, auch unter Einbezug des schönen Gartens mit Skulpturen oder in einer anderen Lokalität. Aber sie machen erst mal einen Schritt nach dem andern. „Kunst in Kürnberg“ könnte also zu einem richtigen Label werden.

https://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.schopfheim-dialog-zwischen-bildern-und-objekten.f4f01633-ad78-49a8-8d95-7cf45d0d4f27.html



 
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